Tanzverbot aufheben


In den Bundesländern existiert ein Gesetz, das den Namen "Feiertagsgesetz" trägt. Unter anderem ist in Hessen in diesem Gesetz geregelt, dass an Feiertagen (zu denen auch alle Sonntage gehören) zwischen 4 und 12 Uhr (morgens) keine öffentlichen Tanzveranstaltungen stattfinden dürfen. Zwei Tage werden dabei besonders geschützt: Karfreitag und Volkstrauertag. An diesen Tagen darf am gesamten Tag keine öffentliche Tanzveranstaltung stattfinden. Grund dafür? Gesetzlich verordnete Ruhe. Kein Discolärm soll diese hohen Festtage stören.

Nun formiert sich wieder mal Protest gegen dieses unverständliche Gesetz. Öffentlich trägt dies den Namen "Tanzverbot", was natürlich zu Fehlvorstellungen und Irrtümern führt. Zunächst einmal: "Tanzverbot" trifft es nicht! Jeder darf tanzen, wann er will. Verboten sind lediglich öffentliche Tanzveranstaltungen. In der Regel sind dies Disco-Partys. Wer eine Privatparty feiern will - dazu muss theoretisch möglich sein, dass der begrenzte Teilnehmerbereich namentlich benannt werden und nicht jeder die zu erfüllenden Kriterien für eine Einladung erfüllen kann - kann dies tun.

Noch ein Missverständnis: Dies ist kein Schutz von religiösen Feiertagen oder einer bestimmten Glaubensrichtung! Dies zeigt sich vor allem daran, dass auch alle gesetzlichen, nicht-christlichen Feiertage diesem Schutz unterstehen. Der Volkstrauertag, an dem das gleiche gilt wie Karfreitag, ist ebenso ein weltlicher und kein kirchlicher Feiertag (auch wenn das ein Sonntag ist).

Nun zum Protest: Ich bin für die Aufhebung des Gesetzes in diesen Punkten! Dies auch - oder gerade weil - ich Christ bin. Die Aufhebung des sogenannten Tanzverbots unterstütze ich aus den gleichen Gründen, wie ich die Aufhebung der gesetzlichen Sperrstunde unterstütze.

Ich verstehe jeden, der dieses Gesetz zu Fall bringen will, ich verstehe aber nicht die Personen, die das aus falschen Gründen tun. Bei der Online-Petition musste ich Kommentare lesen, die mich daran zweifeln lassen, ob breite Bürgerentscheide wirklich das richtige Mittel sind. Viele haben sich gar nicht informiert und reagieren emotional und wählen ebenso. Bei einem relativ kleinen Thema wie diesem hier ist das noch verschmerzbar, aber wie ist das denn bei größeren Themen?

Ein Beispiel: Jemand regt sich darüber auf, dass ihm das Tanzen verboten wird... Wird es doch gar nicht. Jeder darf tanzen, wann er will!

Noch ein Beispiel: Jemand regt sich darüber auf, dass die Kirchen vorschreiben, wann getanzt werden darf und wann nicht... Tun sie gar nicht. Der Staat hat das Gesetz gemacht. Im gleichen Zuge wird auf die Säkularisierung und die Trennung zwischen Staat und Kirche hingewiesen. Dazu ist folgendes zu sagen:

1. Wie bereits erwähnt, gilt das Tanzverbot auch für staatliche Feiertage. Dies ist eine klare Trennung zwischen Staat und Kirche.

2. Wer auf eine Trennung von Staat und Kirche pocht, darf aber auch nicht Nutznießer sein. Feiertage, die auf kirchlichen Festen beruhen - Weihnachten, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten und alle Sonntage - müssen dann konsequenterweise abgeschafft werden. Als Ausgleich bekommt jeder einfach sechs oder sieben Urlaubstage mehr. Die Sonntage würden ähnlich gehandhabt wie die Samstage. Die maximale Arbeitszeit in der Woche darf ohnehin nur in bestimmten Ausnahmefällen überschritten werden, so dass niemand Angst haben braucht, sonntags nun auch arbeiten zu müssen. An den kirchlichen Feiertagen sollen die Personen mit entsprechendem Glauben dann aber bevorzugt Urlaub bekommen, sprich: Wer Christ ist, bekommt auf jeden Fall an Karfreitag Urlaub, wenn er ihn einreicht. Wer keiner Religion angehört, muss damit rechnen, dann arbeiten zu müssen. Dies ist keine Ungleichbehandlung im Sinne des Grundgesetzes, weil es verschiedene Berufsgruppen sind.

Aber irgendwie würde sich niemand auf den zweiten Punkt einlassen, oder? Dabei gibt es so viele Gründe, die dafür sprächen. In einer vernetzten Welt, in der die Staaten nicht mehr autark, sondern mit anderen Staaten interagieren, die aber unterschiedliche Kulturen haben, sind einheitliche Feiertage nicht mehr zeitgemäß. Wenn ich ein Unternehmen habe, will ich auch international konkurrieren können müssen und dann auch an Tagen arbeiten, an denen die anderen arbeiten. Was spricht außerdem dagegen, am Sonntag auch einkaufen gehen zu dürfen?

Wieder käme hier ein Argument aus dem Forum der Online-Petition zu tragen: Niemand wird durch einen Einkauf davon abgehalten, in die Kirche zu gehen. (Für das Tanzverbot ein absurdes Argument, das zeigt, wie wenig die Menschen sich mit Religion auseinandersetzen. Die Hauptmesse an Karfreitag ist um 15 Uhr. Wer da eine öffentliche Tanzveranstaltung hinlegen will, hat irgendwie den Zeitgeist nicht erkannt.)

Fazit:

Aus Gründen der freiheitlichen Ordnung und dem Bekenntnis zur Selbstverantwortung und Selbstverwirklichung bin ich für eine Abschaffung des Tanzverbots. Ich bin aber nicht auf der Seite, die aus Unverständnis emotional wählen und dies mit falschen Begründungen tun.


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